Rede zum 1.5.21: Bloque Latinoamericano

Liebe Genossinnen und Genossen!

Wir, der Lateinamerikanische Block und die Arbeiter_innenversammlung von Helpling begrüßen euch ganz herzlich.

Als lateinamerikanische Migrant_innen spüren wir die Konsequenzen kapitalistischer Nekropolitik am eigenen Körper: jene Politik, die uns hier, ebenso wie unsere Geschwister in unseren Territorien, in prekären Beschäftigungen ausbeutet. Die Politik des Todes ist das, was die Waffen-, Pharma- und Rohstoffunternehmen des Nordens dem Globalen Süden gewaltsam aufzwingen.Während die Eliten unsere Länder skrupellos dem IWF ausliefern, richten die neoliberalen Sparmaßnahmen unsere Völker mehr und mehr zu Grunde.

In Lateinamerika hat die Taktik der verbrannten Erde zu Unmengen überschüssiger Arbeitskraft geführt.Leider leben wir in einer Zeit, in der sich diese perverse Dynamik des Kapitals in jeder Ecke der Welt festgesetzt hat, so dass Unterdrückung und eine permanente Krisensituation vorherrschen. Es schmerzt uns zu sehen, wie die Corona-Krise seit einem Jahr die brutalen Ungleichheiten verschlimmert, die der Kapitalismus verursacht. Diese turbulente Zeit ähnelt jener, die auch unsere liebe Rosa erlebte und die sie mit ihrem berühmten Satz „Sozialismus oder Barbarei“ bezeichnete. Es bleiben keine Zweifel mehr: Wir leben in einer Zeit der Barbarei, die vom Kapital diktiert wird.

Aus diesem Grund sind wir heute hier zusammen: um einen breiten Widerstand aufzubauen, der sich auf der Straße kämpferisch manifestiert!

Warum tolerieren wir weiterhin, dass Krisen auf dem Rücken der Arbeiter_innen getragen werden? Warum müssen Kleinhändler_innen, Künstler_innen und Selbstständige ihre Geschäfte schließen, während die Minen, Agrarunternehmen und Fabriken weiterhin auf Hochtouren laufen? Warum waren die Profite von Großunternehmen wie Amazon noch nie so hoch wie jetzt?

Was wir gerade erleben ist keine Solidarität für die globale Gesundheit, nein! Es ist ein neuer Prozess der Kapitalakkumulation und der Ausbeutung, die keine Grenzen kennt.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle, die von unserer Arbeit leben, im Gegensatz zu den großen Unternehmern, Teil der Arbeiter_innenklasse sind.

Deshalb ist es unsere Pflicht, die erzwungene Proletarisierung aufgrund der Pandemie klar zu benennen und anzuprangern.

Those of us who have migrated know that we are not considered essential, and that we are always the last ones to be taken into account, since we do not even have minimal working conditions.

It is us who come asap into your house to clean, but Helpling does not provide any kind of preventive measures for our health! Apparently, we are only essential to maintain the profits of these “digital” companies, but not essential enough to have a work contract or social security. We also know that the most precarious jobs are the ones that have been developed the most during the pandemic. These jobs are largely feminized tasks performed by migrants, especially women and LGBTI people. Against this background, staying at home and doing home office is a class privilege.

Faced with these conditions, we have found it necessary to organize in the workplace in order to raise our demands.

We strongly condemn that Helpling has always done everything possible to prevent us from mobilizing! They have persecuted and fired comrades who were politically active, while selling a “migration friendly” face to society. We reject that we are treated as mere disposable workforce by these companies!

They exploit us, because they know that the migratory flow is not going to stop thanks to the unequal distribution of global wealth. We know that many people who have come to Europe do so in search of better working conditions and a happy life for their families, but they find a harsh reality here. We must perform the tasks that Germans do not want to. And we do so in a brutal context where wealth has been historically accumulated at the expense of our peoples!

What was sold to us as labor inclusion for women in the «first world», in reality means the exploitation of others to perform the necessary care work for the reproduction of capital.

It is not only a question of gender, but also of inequalities because of class and race! Therefore, we believe that patriarchy cannot be defeated without ending imperialism and capitalism altogether!!

Wir träumen von einer Gesellschaft, in der ein Leben in Würde nicht zu viel verlangt ist. Einer Gesellschaft, in der, Wohnraum ein grundlegendes Recht ist und kein Spekulationsgegenstand von Immobilienhaien wie Deutsche Wohnen!

Der Plan der Mächtigen ist klar: Sie wollen, dass wir arm und unterwürfig bleiben, dass wir ständig gegeneinander ums Überleben kämpfen, anstatt dass wir uns gemeinsam gegen sie richten. Aber auch WIR haben einen klaren Plan: denn es ist der soziale Widerstand, durch den wir mögliche Alternativen verwirklichen werden! 

Dafür schaffen wir politische Werkzeuge, mit denen wir den nekropolitischen Krieg gegen uns beenden und eine neue gerechte Gesellschaft aufbauen werden. Doch für diese Aufgabe benötigen wir jede und jeden einzelnen von euch!

Wir brauchen ein breites Bündnis, um die kapitalistische Politik des Todes zu besiegen. Es ist diese Allianz, die wir heute auf den Straßen bilden und es wird eben diese Allianz sein, die das Unterdrückungssystem erschüttern wird!!

So wie sie uns täglich angreifen, wenn sie uns rassistisch fragen: „Wo kommst du eigentlich her?“, nehmen viele unsere organisatorischen Prozesse als Migrant_innen nicht ernst und infantilisieren uns. Diesen Menschen antworten wir laut und deutlich: Als Migrant_innen sind wir uns sehr bewusst darüber, dass wir uns dort, wo wir leben, aktiv und kämpferisch organisieren müssen!

Wir haben unsere Träume von einer Veränderung weder zurückgelassen noch vergessen, als wir den Atlantik überquerten. Deswegen akzeptieren wir auf keinen Fall, zu Demonstrationen eingeladen zu werden, um diese „bunter“ zu machen und zur „Diversitätsquote“ beizutragen! Wir wollen und fordern gleichberechtigt in der Küche des Widerstands zu sein!

Wir verschwenden keine Zeit mit den oberflächlichen Moden einiger Linken und sind Null daran interessiert, uns in Subkulturen abzukoppeln, die isoliert von der Gesellschaft für sich selbst existieren. Wir sind hierhergekommen, um die Welt weiter zu verändern!

Wir sind gekommen, um starke linke Organisationen aufzubauen, die um den Alltagsverstand kämpfen und sich mit den populären Sektoren zusammenschließen.

Nur somit werden wir eine gegenhegemoniale Macht in dieser Gesellschaft verfestigen können. Gerade in Zeiten, in denen rechte Kräfte auf den Straßen, in Parlamenten und Regierungen voranschreiten, können wir nicht erlauben, dass unsere Mitmenschen aus den Mittel und Arbeiter_innenklassen von ihren ausschließenden Diskursen beeinflusst werden.

Dabei müssen wir die Empörung der Menschen verstehen, denn nur so können wir ihre und unsere Wut auf diejenigen da oben lenken, welche die wahren Verantwortlichen für die neoliberale Prekarität sind. Wir wissen, dass es keine Revolution ohne eine kämpferische, widerständige Praxis geben kann. Aus diesem Grund begrüßen wir im Lateinamerikanischen Block diese pluralistische aber einheitliche Revolutionäre Erste Mai Demo mit großer Freude.

Deshalb, Genossinnen und Genossen, feiern wir diesen Zusammenschluss auf der Straße zwischen linken migrantischen und deutschen Kollektiven. Es ist ein historischer Moment und wir reagieren auf den Ruf unserer Zeit. Hier und heute bauen wir zusammen eine massive Bewegung und internationalistische Solidarität auf.

Jeder Schritt, den wir heute Abend unternehmen, eröffnet kollektive Wege der Befreiung für ein würdiges Leben!

Ein Hoch auf alle, die kämpfen! Es lebe der internationalistische, migrantische Block! ¡Que viva el bloque migrante internacionalista! ¡Hasta la victoria siempre!

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