Berlin Antikolonial

Angesichts des zunehmenden Fortschreitens der Rechten und der Verschärfung ihrer terroristischen Angriffe sehen wir als Migrant*innen, den antifaschistischen und antikolonialen Widerstand notwendiger und wichtiger denn je.

Der Bloque Latinoamericano fördert das Zusammenkommen und die gemeinsame Arbeit verschiedener migrantischer und diasporischer Kollektive und Gemeinschaften in Berlin mit dem Ziel, sich kennenzulernen, gegenseitig zu unterstützen, in Solidarität zu vereinen, und dem Aufbau internationalistischer Allianzen mehr Kraft zu verleihen. Unser Horizont bildet der Wunsch eine Bewegung aufzubauen, die durch ihre Präsenz auf der Straße, die Organisation und die Stärkung ihrer Gemeinschaften die Gewalt sichtbar macht, die aus den Unterdrückungen, Differenzierungen und Ungleichheiten der kolonialen Vergangenheit und ihrer  Kontinuität resultiert: Die Zerstörung der Natur, die Völkermorde an der indigenen und afro-nachkommenden Bevölkerung, die Ermordung und Unterdrückung politischer Anführer*innen, die staatliche Unterdrückung von Migrant*innen und Geflüchteten, die Festigung der Grenzen und das Vordringen von Rassismus und Kriegen sind Folgen eines Systems der Zerstörung, das durch Gewalt aufgezwungen wurde. Diese Phänomene sind das Ergebnis eines jahrhundertelangen Unterdrückungssystems, das Prozesse der Rassifizierung von Muslim*innen, Jud*innen, Sinti und Roma auf europäischem Gebiet sowie die Kolonisierung von Gebieten und Völkern im globalen Süden umfasste. Diese Ideologie hat auch unsere Herkunftsgesellschaften durchdrungen. Es ist uns daher wichtig, als Kollektiv intern sowie in unseren migrantischen und diasporischen Gemeinschaften und Herkunftsländern, als auch extern, in Europa, auf Rassismus aufmerksam zu machen und diesen zu bekämpfen.

Damit verfolgen wir die Infragestellung der gegenwärtigen Strukturen sowie die Erarbeitung fairer und solidarischer Alternativen. Im Jahr 2019 schlossen sich in diesem Sinne mehr als 15 Organisationen zusammen, um erstmals einen gemeinsamen Antikolonialen Monat in Berlin zu organisieren, der vom 3. Oktober bis zum 15. November stattfand. Insgesamt wurden 25 Veranstaltungen, drei Forumstagen, an denen mehr als 300 Menschen teilnahmen, und eine Demonstration mit Tausenden von Menschen auf den Straßen auf die Beine gestellt. Auf der Grundlage dieser Erfahrung arbeiten wir weiterhin auf unterschiedliche Weise zusammen und unterstützen uns gegenseitig in unseren Kämpfen.

Ein grundlegender Bestandteil unserer antikolonialen Arbeit besteht darin die Geschichte und Stimmen der kolonisierten Völker sichtbar zu machen sowie Räume zu eröffnen, in denen eine Reflexion über die koloniale Vergangenheit in der deutschen und europäischen Gesellschaft stattfinden kann. Aus diesem Grund haben wir Anfang 2020 gemeinsam mit anderen migrantischen Kollektiven und einer Gruppe von Schüler*innen ein «Workshop über Dekolonialisierung“ in Berlin organisiert. Mithilfe von Diskussions- sowie Theater-Methoden, wurden im Workshop vergangene und gegenwärtige koloniale Strukturen kritisch beleuchtet und reflektiert, sowohl in ihren sichtbaren Formen der Gewalt als auch in ihren weniger sichtbaren Formen der Kolonialisierung von Gedanken, Weltanschauungen und Lebensweisen. Wir hoffen, dass dies der Beginn weiterer gemeinsamer Initiativen ist und dass wir durch die gemeinsame Arbeit mit migrantischen Gruppen aus verschiedenen Teilen der Welt unseren antikolonialen Blick erweitern können.