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Kuba: Am Rande des Zusammenbruchs durch eine neue Blockade

Über die beispiellose Krise in Kuba und warum sie für die Welt Priorität haben sollte

Wir möchten die Leser*innen zu einem Gedankenexperiment einladen. Erinnere dich an die COVID-Pandemie. Erinnere dich, was du gefühlt hast, als du eingesperrt warst und nicht raus konntest – die Angst, die Beklemmung, die Hilflosigkeit, die Klaustrophobie, das Gefühl, dass dein Leben dir wie Wasser durch die Hände rinnt, der Gedanke, dass du nichts bis zur nächsten Woche planen kannst, weil alle Zukunft ungewiss ist. Wenn du dazu noch mehr als 12 Stunden am Stück ohne Strom lebst, ohne mobiles Internet, in Krankenhäusern, denen es an allem fehlt, die überlastet sind, dann kommst du dem näher, was Kuba in diesem Augenblick durchmacht. Und das ist nur der Anfang einer Situation, die sich bis zu einer humanitären Krise zuspitzen kann. Das ist die Zusammenfassung dessen, was gerade auf der Insel passiert, aufgrund der neuen Sanktionen, die Donald Trump am 29. Januar verhängt hat.

Was ist konkret passiert?

Trump und der US-Außenminister Marco Rubio treiben eine neue Ebene der Blockade voran: die Energieblockade. Sie handelten wie Schlägertypen in der Welt, entführten den Präsidenten von Venezuela und bedrohen die neue Regierung, damit diese der Insel keine Hilfe liefert.

Gleichzeitig verkündeten sie vor der Welt, Einfuhrzölle gegen jedes Land zu erheben, das Erdöl nach Kuba liefert. Bislang sind die anderen beiden Länder, die die Insel noch beliefern, Mexiko und Russland, wobei Mexiko der Hauptlieferant ist.

Was würde passieren, wenn Kuba kein Erdöl mehr bekäme?

Grundsätzlich könnten Krankenhäuser ihren Betrieb einstellen oder nur noch eingeschränkt arbeiten. Der Transport von Lebensmitteln würde zum Erliegen kommen oder das Öl müsste über viel komplexere Wege beschafft werden, was die Lebensmittelpreise in die Höhe treiben und eine Inflationswelle auslösen könnte, die das ohnehin schon niedrige Gehalt der Arbeiterklasse zerstört. Die Infrastruktur auf Kuba könnte nicht repariert werden und im Wesentlichen könnte die Wirtschaft kollabieren.

Dennoch ist der US-Präsident bereit, die Konfrontation aus politischem Kalkül bis zu diesem Extrem zu treiben.

Was bedeutet die dreifache Blockade, die Kuba erleidet?

Dies bedeutet, dass die kubanische Bevölkerung nicht frei über die eigene Wirtschaft entscheiden kann. In erster Linie durch das 1960 verhängte Wirtschaftsembargo, das jedem Unternehmen, das mit Kuba Handel treibt, unter Androhung schwerer Sanktionen verbietet, anschließend Handelsbeziehungen mit den USA zu unterhalten. Dies führt zu Preisaufschlägen und dazu, dass beispielsweise Schiffe, die kubanischen Boden anlaufen, für sechs Monate nicht in US-amerikanische Häfen einlaufen dürfen.

In der zweiten Ebene der Blockade wird Kuba auf die Liste der Länder gesetzt, die „den Terrorismus fördern“. Dies verhindert, dass eine Person, die als Tourist*in nach Kuba reisen möchte, später in die USA einreisen kann. Das boykottiert die Wirtschaft der Insel sehr aktiv. So sehr, dass während der Regierung von Obama, der die Insel 2015 von dieser Liste strich, eine bemerkenswerte Belebung zu sehen war. Aber da Donald Trump nicht zulassen konnte, dass ein politischer Gegner der USA sich (teilweise) wirtschaftlich erholte, beschloss er 2021, sie wieder auf die Liste zu setzen, was zu einem brutalen Einbruch der Einnahmen der Bevölkerung führte.

Da sich die Menschen in Kuba jedoch von diesen beiden Ebenen der wirtschaftlichen Erstickung nicht erpressen ließen, greifen die USA nun auf eine totale Energieblockade zurück.

Was sagt der Präsident Kubas heute?

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass der derzeitige Präsident der Insel Miguel Díaz-Canel ist, ein Staatschef, der sich einer der größten historischen Regierungsherausforderungen gegenübersah: Kaum hatte seine Amtszeit begonnen, stürzte ein Flugzeug ab; im Zuge der Einführung von mobilem Internet und Internet entstanden in Lateinamerika von sozialen Netzwerken geförderte und orchestrierte Staatsstreiche; sein Land wurde auf die Liste der Nationen gesetzt, die den Terrorismus fördern; die COVID-Pandemie brach herein; drei tropische Wirbelstürme und ein Tornado suchten Havanna heim; der Verrat eines seiner Minister, der der Korruption angeklagt wurde; und es brachen Dengue-, Zika- und Chikungunya-Epidemien aus, deren Ansteckungswelle so weitreichend war wie der Verdacht auf eine Neuauflage biologischer Kriegsführung unter Einsatz von Krankheitsvektoren wie in den 1990er Jahren.

Miguel Díaz-Canel, seit 2019 Präsident Kubas.

Dieser Präsident, der sich nicht durch ein Charisma auszeichnet, wie es Fidel besaß, versucht, so tiefgreifende Energiesparmaßnahmen wie möglich zu ergreifen, um sich zu verteidigen. Gleichzeitig stellt er klar, dass er nicht bereit ist, unter Erpressung zu verhandeln, und bereitet die Bevölkerung auf die direkte Konfrontation vor: eine neuartige Strategie gegenüber der Laschheit, die viele sozialdemokratische lateinamerikanische Präsidenten kennzeichnet, die bereit sind, ihre politische Autonomie zu sprengen, um nur eine Handvoll Stimmen nicht zu verlieren.

Was will Trump in Kuba?

Es ist das Bestreben, die lateinamerikanischen Länder zu disziplinieren. Durch den Einsatz von Gewalt will er zeigen, dass er bereit ist, die unmenschlichsten existierenden Praktiken anzuwenden, um seine Politik der Angst, des Hasses und der Konzentration des Reichtums voranzutreiben.

Kuba repräsentiert heute für die USA eines der wenigen Länder, die sich klar entscheiden, sich nicht von Präsidenten einschüchtern zu lassen. Sich nicht von den USA einschüchtern lassen, die ihre eigene Bevölkerung mit Polizeikräften verfolgen und ermorden, die nur darauf aus sind, Angst zu verbreiten (ICE), und die deutlich gezeigt haben, keine bestehenden internationalen Menschenrechtsabkommen zu respektieren.

Warum ist die Solidarität mit Kuba heute zentral?

Einerseits aus Menschlichkeit, um den Tod und das Leiden einer Bevölkerung zu verhindern, die Geisel der systematischen Angriffe eines der größten Imperien der Geschichte ist.

Andererseits auch, weil die kubanische Regierung die einzige ist, die sich nicht der Todespolitik Donald Trumps beugt. Die sozialen Bewegungen, die Menschen und die Staaten müssen die Souveränität des kubanischen Volkes verteidigen, frei über seine eigene Zukunft selbst bestimmen zu können. Wenn wir nicht das einzige Land verteidigen, das eine klare Politik der Konfrontation mit denen vertritt, die eine Politik des Todes durchsetzen wollen – wie sollen dann die übrigen Länder unsere eigene Souveränität garantieren können?

Dass Kuba heute diesen Machtkampf mit der Regierung der Vereinigten Staaten erfolgreich besteht, bestimmt die Bedingungen, unter denen wir, die übrigen Menschen, in der Lage sein werden, uns diesem Feind zu stellen. Es geht nicht um eine Diskussion über die kubanische Regierung, es geht darum, die Souveränität Kubas als die Souveränität der gesamten lateinamerikanischen Region und sogar der übrigen Länder der Welt zu verteidigen.

Ganz im Stil Hitlers des 21. Jahrhunderts sagte derselbe Trump, dass seine kolonialistische Haltung nicht aufgehalten werden würde: Sie begann in Venezuela, ging weiter über Grönland, jetzt ist Kuba an der Reihe. Und er sagte vor ein paar Monaten, dass als Nächstes Mexiko, Kolumbien, Brasilien, Kanada folgen würden.1

Wir müssen uns drigend mit Kuba solidarisieren, um unsere eigene Zukunft zu sichern.

Es gibt keine Möglichkeit, über politische Projekte nachzudenken, die die Probleme der Arbeiterklasse lösen, wenn wir nicht eine Politik der direkten Konfrontation mit diesem Monster aufstellen. Wie ist es möglich, dass in den USA bekannt wurde, dass Trump in Austausch mit Jeffrey Epstein mehr als 38.000 Mal erwähnt wird und nichts passiert ist? Wie ist es möglich, dass es in den USA ein Netzwerk von Pädophilen gab, das Babys missbrauchte, folterte und Kannibalismus an ihnen praktizierte und dass dies nicht unzählige direkte Aktionen gegen eine solche Abscheulichkeit ausgelöst hat?

Es scheint, als lebten wir heute in einem konstanten Gaspar-Noé-Film, in dem wir alle Zuschauer*innen sind, und deshalb gibt es heute keine Halbheiten: Entweder wir konfrontieren das blutrünstigste und unmenschlichste Imperium des Jahrhunderts, oder wir werden von ihm verschlungen werden.

Kuba ist heute die Speerspitze einer brutalen und faschistischen Offensive, die auf alles abzielt, die wir aber noch aufhalten können. Wir brauchen, dass sich die Menschen der Welt erheben, dass wir die Flamme wieder entfachen, die die internationalistische Solidarität mit Palästina entzündet hat, und dass wir dieses unaufhaltsame Feuer gegen diejenigen sind, die kommen, um uns zu zerstören.

Solidarität mit Kuba ist die Aufgabe, um Trump zu besiegen und uns eine lebenswertere Zukunft für die Welt vorzustellen, mit Bündnissen mit den jenen, die den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Kapitalismus aufnehmen… Wir werden nicht aufhören, bis alles so ist, wie wir es erträumt haben.

  1. Dies ist Teil der von der US-Regierung entwickelten Strategie zur nationalen Sicherheit:
    whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf ↩︎

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